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Feucht- und Sumpfwiesen

Flatternde Schmetterlinge, brummende und hüpfende, krabbelnde und springende, summende Insekten, vielstimmiger Vogelgesang im Frühling und Sommer: Feucht- und Sumpfwiesen sind ein Musterbeispiel vielfältiger Lebensgemeinschaften. Überall dort, wo feuchte Wiesen und sumpfige Bereiche (noch) nicht entwässert, großflächig verschilft, verbuscht oder zu Ackerland umgewandelt wurden, kann eine bunte Lebenswelt existieren und bestaunt werden. Wer sich Zeit nimmt, Augen und Ohren schärft und einen passenden Beobachtungsplatz wählt, wird mit etwas Glück eine überraschend große Anzahl an Tieren und Pflanzen entdecken.

Typische Tiere

Den englischen Namen „Early Bumblebee“ tragen Wiesenhummeln völlig zurecht: Kaum kündigt sich der Frühling an, sind die ersten Hummelweibchen unterwegs. In Grasbüscheln, unter Büschen oder in verlassenen Vogelnestern beziehen sie ihr Quartier und gründen ein eher kleines Volk mit bis zu 120 Tieren. Das Hummelvolk umfasst – neben der Königin – zahlreiche Arbeiterinnen, Drohnen (Männchen) und die jungen Königinnen. Hummeln gehören zu den Wildbienen und besitzen einen Wehrstachel. In Europa überlebt eine Hummelgeneration nur einen einzigen Sommer. Um den Fortbestand zu sichern, setzen sich Jungköniginnen bereits im August vom Hummelvolk ab und suchen ein geeignetes Winterquartier.

Hummel

Der Bläuling, ein tagaktiver Falter, kann von April bis September beobachtet werden. Blumenwiesen sind wichtige Lebensräume für die Bläulinge; davon gibt es in Deutschland etwa 48 Arten. Sehr empfindlich reagieren die Schmetterlinge auf Eingriffe in die Natur, etwa intensiv bewirtschaftete, überdüngte Agrarlandschaften. Während die Männchen die charakteristisch hellblaue Farbe mit einem dünnen schwarz-weißen Rand besitzen, sind die Weibchen bräunlich gefärbt mit orangenen Flecken auf den Hinterflügeln. Die Bestände an Bläulingen, von denen es verschiedene Arten gibt, gehen deutlich zurück. Typische Arten sind Großer Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Hauhechel-Bläuling, Blauer Eichen-Zipfelfalter, Kronwicken-Bläuling und Storchschnabel-Bläuling.

Blaeuling

Im zeitigen Frühjahr sind sie unterwegs. Danach ziehen die Schmetterlinge mit den auffällig orangenen Farbtupfern auf den Oberseiten der weißlichen Flügelspitzen die Täler entlang. Die Flecken sorgen dafür, dass männliche Aurorafalter leicht bestimmt werden können. Die Flügel der Weibchen sind nahezu komplett weiß mit schwarzer Zeichnung an den Rändern. Aurorafalter gehören zu den ersten Frühlingsfaltern des Jahres. Auf Talwiesen finden die Raupen dieser Schmetterlinge bevorzugte Nahrungsquellen, darunter das Wiesenschaumkraut und auch das Schöllkraut im Bereich etwa von Waldrändern und Weinbergen. Da Feucht- und anderes Grünland immer noch in Ackerland umgewandelt oder Areale viel zu früh gemäht werden, verschwinden Aurorafalter zunehmend. Damit geht ein Stück lebendige Heimat verloren.

Aurorafalter

Mit einer Länge von rund vier Zentimetern zählen Heupferde zu den größten heimischen Heuschrecken. Heupferde sind gute Flieger, legen meistens aber nur Kurzstrecken zurück. Die grün gefärbten, gelegentlich auch gelbbraun schimmernde Insekten kommen von Juli bis Oktober auf Wiesen, Feldern sowie in Wäldern vor. Sie ernähren sich hauptsächlich von kleinen Insekten wie Fliegen, Raupen und kleinen Schmetterlingen, aber auch von Pflanzen. Das Männchen zirpt fast unentwegt.

Gruenes_Heupferd

Auf Golfplätzen und penibel angelegten Vorzeigegärten sind Maulwürfe samt ihrer fachmännisch aufgetürmten Erdhügel nur ungern gesehen. Dabei ist ein Maulwurf in der Nachbarschaft eigentlich ein Grund zur Freude, denn mit Engerlingen und Schnecken stehen Tiere auf seinem Speiseplan, die in Gemüsegärten oft als Schädlinge wahrgenommen werden. Perfekt angepasst für ein Leben unter der Erde ist der Körperbau des Maulwurfs: Die Gestalt der besonders geschützten Tiere ist walzenförmig, die Schnauze rüsselartig, die Vorderfüße dienen als Grabschaufeln, und das Augenlicht ist stark reduziert.

Außerdem sind Maulwürfe auch begehrte Beute von Storch und Graureiher.

Der Vogel pflegt eine besondere Form der Vorratshaltung: Nahrung, große Insekten oder junge Mäuse etwa werden auf Dornen oder Stacheln von Sträuchern zur Vorratshaltung aufgespießt. Männchen haben einen rostroten Rücken und einen grauen Kopf mit schwarzem Augenstreif. Das Gefieder der Weibchen ist in Brauntönen gefärbt, über den Augen befindet sich ein weißer Streifen. Die Vögel bewohnen Feldgehölze, Trocken- und Magerrasen, Ödland, Moore und verwilderte Gärten. Ihre Nester bauen sie in dornigem Gestrüpp. Nach der Paarung legen Weibchen durchschnittlich fünf bis sechs Eier. Die Brutzeit beträgt vierzehn bis fünfzehn Tage. Vierzehn bis sechzehn Tage nach dem Schlüpfen verlassen die Jungvögel das Nest. Anfang September startet der Neuntöter seine Reise zum Winterquartier Richtung südliches Afrika. Ende April oder Anfang Mai kehrt er wieder zurück.

Neuntoeter

Das dunkelbraun gefärbte Gefieder der Flügel hat schwarze Akzente, Brust und Bauch sind heller und die Kehle ist weiß gefärbt. Im Sommer tragen die Männchen eine graue und die Weibchen eine graubraune Kopfkappe. Männchen haben eine rote Iris, Weibchen eine braune. Die Vögel bewohnen offene Landschaften mit dichten Hecken und Dornenbüschen und ernähren sich von Insekten, Insektenlarven, gelegentlich auch von Beeren und Früchten. Als Langstreckenzieher verbringen sie den Winter im tropischen Afrika südlich der Sahara. Männchen kommen einige Tage früher als die Weibchen aus dem Winterquartier zurück und bauen in Büschen knapp über dem Boden das Nest. Die vier bis fünf gelegten Eier werden vom Elternpaar zwölf Tage lang gemeinsam bebrütet. Gefüttert werden die Küken mit Insektenlarven; rund zwölf Tage nach dem Schlüpfen verlassen sie das Nest.

Dorngrasmuecke

Die Körperfärbung der sieben bis neun Zentimeter langen Frösche variiert von gelbbraun über braun, oliv, rötlich, dunkelbraun und grau bis fast schwarz. Die Tiere bewohnen feuchte Lebensräume mit dichter, grasig-krautiger Bodenvegetation. Zwischen August und November ziehen sie in Richtung Laichgewässer – kleinere Tümpel und Teiche sowie schwach fließende Bäche – und überwintern dort. Manche der Frösche wählen dafür den schlammigen Gewässergrund, andere überwintern lieber im Boden nahe dem Gewässer. Im Frühjahr werden die Weibchen an den sonnigsten und flachsten Uferabschnitten bereits von hunderten Männchen erwartet. Befruchtete Weibchen legen bis zu 4.000 Eier im Gewässer ab; zwei bis drei Wochen später schlüpfen die Larven. Abhängig von der Wassertemperatur dauert die Entwicklung von der Larve über das Stadium der Kaulquappe bis zum Landtier zwischen zwei und drei Monate.

Grasfrosch

Die Männchen sind ca. 70 bis 100 Zentimeter lang, die Weibchen können bis zu 150 Zentimeter lang werden. Ringelnattern sind tagaktiv und sehr wasserliebend, jedoch nicht unbedingt an das Wasser gebunden. Sie schwimmt, taucht und bewegt sich auch an Land sehr gewandt. Bei drohender Gefahr bevorzugt die Ringelnatter die Flucht in das Wasser oder versucht die Abschreckung durch auffälliges Imponiergehabe. Dabei wird der Körper abgeplattet, es erfolgt lautes Zischen und das Entleeren der Stinkdrüsen, mitunter stellt sie sich auch „tot“. Die Beutesuche erfolgt meist am frühen Morgen, bei großer Hitze ist die Ringelnatter nicht aktiv. Ende September / Anfang Oktober begibt sie sich in das Winterquartier unter Steinhaufen, Baumstümpfen, in Stolleneingängen, Höhlen oder Kellern. Dabei kann es vorkommen, dass sich „Schlafgemeinschaften“ mit anderen Ringelnattern bilden.

Ringelnatter

Typische Pflanzen

Der Wiesensalbei ist eine dunkelviolette Wiesenblume, die von Bienen stark besucht, vom Vieh jedoch eher verschmäht wird. Die Blütezeit reicht von Ende Mai bis August. Auf nährstoffreichen Böden wächst der Wiesensalbei ebenso wie auf halbtrockenen Rasenflächen, Wegrändern und Böschungen. Bekannt ist das Experiment, mit einem spitzen Bleistift in der Blüte einen Hebelmechanismus auszulösen, sodass sich die Staubblätter senken und die Inhalte der Pollensäcke verteilen. Wichtige Nahrungspflanze für Hummeln.

Wiesensalbei

Die Schafgarbe ist eine robuste Staude, die nur wenige Ansprüche an ihren Standort stellt. Auf sonnigen Wiesen und an Wegrändern ist die Pflanze ebenso heimisch wie auf Schafweiden, wo sie häufig einen eigentümlichen Anblick bietet: Die Blätter werden von den Schafen abgefressen und die Blütenstände bleiben zurück. Der Name “garbe” leitet sich übrigens vom althochdeutschen Begriff “garwe” ab, der nichts anderes als „Gesundmacher“ bedeutet. Die ersten Frühlingsblätter der Schafgarbe können als Gemüse oder Salat gegessen werden.

Schafgarbe_Achillea_Millefolium

Der Blut-Weiderich ist eine große Wildstaude, die aufrecht und in größeren Beständen wächst. Die Pflanzenart bevorzugt sonnige bis halbschattige Plätze mit feuchten bis nassen Böden und besiedelt sumpfige Lagen, Ufer von Bächen und Seen, Gräben sowie feuchte Wiesen und Weiden. Die Wuchshöhe beträgt 1 bis 1,5 Meter. Der stabile Stängel ist kantig und behaart. Die schmalen Blätter sind ebenfalls weich behaart und färben sich im Herbst rot. Die Blütezeit ist von Juli bis September. Eine einzige Pflanze hat bis zu dreißig Blütenstände, an denen im Laufe des Sommers über tausend Blüten wachsen. Das Ergebnis sind bis zu drei Millionen Samen. Die unübersehbaren Blüten und die Aussicht auf reichlich Nektar machen den Blut-Weiderich zum magischen Anziehungspunkt für Bienen und Schmetterlinge. Auch für die Raupen einiger Nachtfalter ist das Weiderichgewächs eine wichtige Nahrungsquelle.

Blutweiderich

Blutwurz gehört zu den Rosengewächsen. Die Namensgebung bezieht sich auf die innen blutrot gefärbten Wurzeln. Außen ist der knollige Wurzelstock dunkelbraun. Die Blutwurz besiedelt feuchte Wiesen, sonnige Böschungen, Heideflächen und Waldränder. Die Wuchshöhe beträgt 15 bis 50 Zentimeter. Die Blätter stehen nah am Boden und sind auf der Oberseite dunkelgrün und unten silbrig. Die Blütezeit ist von Juni bis August. Die sonnengelben Blüten bestehen aus vier herzförmigen Blütenblättern. Die in den Blüten heranreifenden Nüsschen stehen bei Ameisen ganz oben auf der Speisekarte. Die Ameisen sorgen auch für die Verbreitung der Samen. Die Blutwurz gilt als Heilpflanze: Natürliche Inhaltsstoffe der Pflanze wirken blutungsstillend bei leichten Verletzungen. Extrakte der Blutwurz zeigen eine antibakterielle Wirkung.

Das Mädesüß gehört zur Familie der Rosengewächse. Die Wuchshöhe der winterharten Pflanzenart beträgt 50 bis 200 Zentimeter. Das Mädesüß mag sonnige bis halbschattige Lagen mit feuchten bis nassen, nährstoffreichen Böden und besiedelt Bachufer, Feucht- und Sumpfwiesen sowie Auenwälder. Die dunkelgrünen Blätter haben eine glatte Oberseite und eine filzig behaarte Unterseite. Auffällig ist die abwechselnde Anordnung der Blätter: Auf ein kleines Blattpaar folgt jeweils ein größeres Blattpaar. Die Blütezeit dauert von Juni bis August. Das Mädesüß bildet einen Blütenstand in Rispenform, bestehend aus vielen süßlich riechenden, gelb-weiß gefärbten Blüten. Die großen Doldenrispen haben einen Durchmesser von bis zu zwanzig Zentimetern. Mit den Blüten kann ein honigmandelartiges Aroma erzeugt werden, beispielsweise in Süßspeisen und Getränken.

Maedesuess

Die Bach-Nelkenwurz gehört zur Familie der Rosengewächse und erreicht Wuchshöhen von 20 bis 60 Zentimeter. Die schwach giftige Pflanzenart bevorzugt sonnige bis halbschattige Lagen mit humosen, feuchten Böden und wächst an Bächen, Uferzonen von Teichen, in Auenwäldern und Flachmooren sowie auf Feuchtwiesen. Die Stängel sind locker verzweigt und die gefiederten, immergrünen Blätter sind fein behaart. Die glockenförmigen Blüten neigen den Kopf nach unten. Der Blütenkelch ist braun-rot, die Blütenblätter rötlich und der Mittelpunkt der Blüte gelb. Die Frucht der Bach-Nelkenwurz besteht aus bis zu achtzig kleinen Nüsschen. Am Fruchtstand selbst befinden sich zahlreiche kleine Häkchen, die ähnlich wie Kletten funktionieren: Vorbeistreifende Tiere, an denen die Frucht haften bleibt, übernehmen die Verteilung.

Bach_Nelkenwurz

Der Gewöhnliche Gilbweiderich gehört zur Familie der Primelgewächse und ist eine Feuchtwiesenpflanze, die Sumpfgebüsche, Bachsäume und feuchte Wiesen besiedelt. Die Wuchshöhe beträgt etwa 40 bis 150 Zentimeter. Der Stängel steht aufrecht. Die Blütezeit dauert von Juni bis August. Die goldgelben Blüten wachsen in einem pyramidenförmigen Blütenstand. Die Blüten sind jeweils fünfzählig mit doppelter Blütenhülle und haben Drüsenhaare, die ein Insekten anlockendes Öl ausscheiden; statt Nektar offeriert die Pflanze das Öl. Aus den bestäubten Blüten entwickeln sich leichte Kapseln mit kleinen Samen, die von Wind und auch Wasser getragen werden können. Die Samenkapseln sind bis zu eine Woche schwimmfähig.

Die Kuckucks-Lichtnelke benötigt frische, feuchte Böden und wächst auf feuchten Wiesen. Auch in Mooren sowie stehenden und fließenden Gewässern ist das Nelkengewächs anzutreffen. Die Wuchshöhe beträgt bis zu achtzig Zentimeter. Die Pflanze hat aufgefächerte rosarote Blüten. Die Blüte hat einen Durchmesser von rund vier Zentimeter und besteht aus aufgefächerten Kronblättern. Die Kelchröhre ist verhältnismäßig tief, sodass nur wenige Bienen und Schmetterlinge bis zu den Pollen gelangen können. Die Blütezeit dauert von Mai bis Juli. Für den Namen „Kuckucks-Lichtnelke“ gibt es zwei Erklärungen: Zum einen ist ihre Blütezeit im Mai und damit genau zum Zeitpunkt, an dem die Rufe des Kuckucks zu hören sind. Zum anderen kann am Stängel der Pflanze gelegentlich Schaum der Nester der Schaumzikade entdeckt werden – diese schaumartige Masse wird umgangssprachlich auch „Kuckucksspeichel“ genannt. Die Entwässerung von Feuchtgebieten ist der Grund, dass der natürliche Bestand der Kuckucks-Lichtnelke zurückgeht.

Kuckucks-Lichtnelke

QR-Rundgang Bottwartal Übersicht

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hinweis-tafel

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Die markierten Wege sind barrierefrei.