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Weinberg: Pflanzen

Was lebt wo? – Wo können wir der Natur helfen?

Naturfreunde und Hobby-Botaniker, Spaziergänger und Erholungssuchende – alle sind gleichermaßen begeistert vom einmaligen Nebeneinander von Wildpflanzen wie Edelgamander, Rundblättrige Glockenblume oder Frühlingsfingerkraut sowie eingewanderten oder eingeschleppten Wildpflanzen, die ihre ursprüngliche Heimat im Mittelmeerraum haben, darunter Wilde Tulpe, Zimbelkraut und Hauswurz. Auch ehemalige Nutzpflanzen wie Färberkamille oder Weinraute gehören dazu. Doch ist ihre Bedeutung mittlerweile oft in Vergessenheit geraten. Man muss es sich vor Augen halten: Was Spitzenköche wie Vincent Klink, Harald Wohlfahrt oder Tim Mälzer mitunter in ihren Gerichten verwenden, wächst „Wild“ in so manchem Weinberg. Sei es der aromatische Thymian oder auch der Oregano – auch die frischen Blätter der Weinraute passen sparsam verwendet – sie dürfen nicht mitgaren – als Gewürz zu Lamm- und Wildgerichten. Die Weinraute wurde wegen ihres Gerbstoffgehalts vor Jahrhunderten dem gärenden Wein zugefügt und ist heute wieder bei Stauden-Gärtnereien erhältlich. Die Pflanze ist wichtig für den Schwalbenschwanz-Falter, der daran seine Eier ablegt. Die Weingärtnergenossenschaft in Großbottwar und etliche Privat-Weingüter haben sich ab 1990 an der Wiederbegrünung der Weinberge und Anlage von Pflanzflächen im Rahmen der Aktion „Lebendiger Weinberg“ der staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt Weinsberg und der Umweltakademie Baden-Württemberg mit unterstützenden Aktionen durch die Umweltstiftung NatureLife-International und auch des Bereiches Weinbau an der Hochschule Heilbronn beteiligt. Ziel: Dem Artenrückgang entgegen wirken – natürliche Vielfalt fördern.

Ursachen für den Artenrückgang

  • Veränderung der natürlichen Situation (Boden, Wasser, Luft)
  • Pflanzenschutzmittel (vor allem Herbizide)
  • Düngung
  • Eutrophierung (Überdüngung)
  • Bodenverdichtungen
  • Flurbereinigung

Platz für bunte Blütenpracht

Nicht nur in alten, terrassierten Weinbergen – von denen es kleine Reste am Lichtenberg unterhalb der Burg und am Kälblingwald gibt, sondern gerade auch in flurbereinigten Weinbergen gibt es Rand- und Kurvenbereiche, wo Platz für Gehölze wie Mandelbaum und Quitte oder auch Wildgehölze wie Heckenrose, Weißdorn und Holunder ist. In den meisten Fällen lohnt es sich nicht, die letzten 4 bis 5 Rebstöcke in solchen Kurvenbereichen mit hohem Maschineneinsatz zu bewirtschaften. Aufwand und Ertrag stehen dort in keinem Verhältnis. An solchen Stellen können auch Lesesteinhaufen angelegt werden die Lebensräume für Pflanzen darstellen, die an Trockenheit angepasst sind. Viele dieser Arten sind wiederum Lebensgrundlage für Schädlingsregulatoren wie Schlupfwespen, Schwebfliegen oder Raubmilben. Die Wegrandbereiche sollten keinesfalls als „Deutscher Einheitsrasen“ unterhalten werden. Viele Pflanzen vertragen bestens mechanische Belastung. Warum sollen solche Flächen mit Herbiziden behandelt oder abgemäht werden, wenn dort die typischen Pflanzen und Tiere der Wegränder wie Kamille, Wegmalve oder Wegwarte und Wegerich einen Lebensraum finden können, ohne die Weingärtner zu beeinträchtigen?

Typische Weinberggehölze, die über Jahrhunderte die Weinbaulandschaft bereicherten

Aus der Quitte kann man leckeres Gelee, Marmelade oder Quittensaft herstellen – für den Rohverzehr ist sie nicht geeignet, da sie sehr hart und wenig schmackhaft ist.

Quitte_Frucht

Der Weinbergpfirsich blüht zwischen März und Mai mit rosa-roten Blüten. Die Früchte sind wirklich lecker.

Weinbergpfirsich

Der Mandelbaum blüht schon im März, bildet seine Früchte aber erst im August bis September aus. Er ist verwandt mit dem Weinbergpfirsich.

Mandelbaum_im_Weinberg_Bluete

Mandelbluete_Weinberg

Die Zwetschge ist eine Unterart der Pflaume und gehört zu den Rosengewächsen. Im Gegensatz zur echten Pflaume ist die Zwetschge weniger rundlich, hat eine mehr ins dunkelblaue gehende Farbe und lässt sich leichter vom Stein („Kern“) lösen. Aus Zwetschgen wird Marmelade sowie Zwetschgenmus hergestellt. Außerdem werden sehr viele Zwetschgen zu Zwetschgenschnaps gebrannt. Weiter können feinste Desserts wie Kompott, Kuchen (besonders Zwetschgendatschi), Zwetschgenknödel usw. mit Zwetschgen hergestellt werden.

Zwetschge_Bluete

Kirschbäume gehören wie Zwetschgenbäume zur Gattung der Rosengewächse. In Europa wurden die ersten Edel-Kirschbäume durch den römischen Feldherren Lucius Licinius Lucullus eingeführt, als er auf einem Feldzug in Kleinasien die Stadt Giresun in der heutigen Türkei passierte. In vielen Sprachen leiten sich die Wörter für Kirsche (engl. Cherry) vom griechischen Kerasus für Giresun ab. Daneben gibt es die heimische, wilde Vogelkirsche.

Kirsche_Fruechte

Wildblumen und Nutzpflanzen

Die Weinraute blüht gelb von Juli bis August. Sie findet sowohl als Duftpflanze (Parfümherstellung), Gewürzpflanze (zu Lamm und Wild, aber auch in Kräuterkäse) sowie in der Heilkunst Verwendung.

Weinraute

Der Natternkopf blüht von Juni bis September und ist mit seinen tiefen Wurzeln und der borstigen Behaarung bestens an das Leben auf trockenen Böden angepasst. Die Blüte soll an den Kopf einer Natter, der gespaltene Griffel an die Schlangen-Zunge erinnern.

Natternkopf

Die Färberkamille blüht von Juli bis September. Sie wurde früher – wie der Name schon sagt – dank ihres intensivgelben Farbstoffes zum Färben von Wolle verwendet.

Faerberkamille

Der Echte Salbei ist ein immergrüner, circa 80 Zentimeter hoher Halbstrauch. Er wird sowohl in der Küche zu Wild-, Geflügel- und Fischgerichten, als auch in der Heilkunst verwendet. Für viele nützliche Insekten eine wichtige Nektarpflanze.

Salbei

Der Dolden-Milchstern ist eine ausdauernde Zwiebelpflanze, die bis zu 30 Zentimeter hoch werden kann. Sie stammt aus dem Mittelmeerraum, gedeiht aber auch auf den klimatisch begünstigten Südhängen unserer Weinberge.

Dolden-Milchstern

Die Deutsche Schwertlilie blüht von Mai bis Juli blassblau oder weiß. Im Weinberg kommt sie vor allem an sonnigen Stellen und Mauern vor.

Schwertlilie_im_Weinberg

Die Deutsche Schwertlilie blüht von Mai bis Juli blassblau oder weiß. Im Weinberg kommt sie vor allem an sonnigen Stellen und Mauern vor.

Schwertlilie_im_Weinberg

Raum für die Natur auch zwischen den Rebzeilen

Die Praxiserfahrung und viele Versuche haben deutlich gezeigt, dass es sowohl für die Nährstoff- und Wasserversorgung der Reben als auch für die Bodenqualität von Vorteil ist, wenn die begrünten Bereiche zwischen den Rebzeilen immer wieder „aufgerissen“ werden. Gerade dies hilft sogar, heute selten gewordene Weinbergbegleitpflanzen wie Traubenhyazinthe und Wilde Tulpe zu fördern.

Die Traubenhyazinthe blüht von März bis Mai und ist damit eine der ersten attraktiven Arten im Frühjahr. Im Volksmund wird sie auch „Kaminfegerle“ genannt.

Traubenhyazinthe

Das Hirtentäschel blüht fast das ganze Jahr (Februar bis November) über. Bei der Herkunft des Namens streiten sich die Geister. Der Name könnte einerseits von den Früchten kommen, die den früheren Taschen der Hirten gleichen; eine andere Deutung besagt, dass diese alte Heilpflanze früher von jedem Hirten in seiner Tasche mitgeführt wurde, um seine Tiere im Notfall verarzten zu können.

Hirtentaeschelkraut

Die Pfeilkresse blüht im Juni und Juli. Ihren Namen verdankt diese Pflanze den pfeilförmigen, stängelumschließenden Blättern. Früher wurde sie aufgrund der enthaltenen Senföle als Pfefferersatz verwendet.

Pfeilkresse

Der von Mai bis September blühende Hopfenklee ist durch seine schneckenartig eingerollten Hülsen leicht zu erkennen (deshalb auch „Hopfen-Schneckenklee“). „Hopfenklee“ bezieht sich dagegen auf die Blütenform.

Hopfenklee

Die Rote Taubnessel oder auch Purpur-Taubnessel blüht von März bis Oktober. Die Samen werden von Ameisen verschleppt – sie besitzen stärkereiche Anhängsel, die von den Ameisen gefressen werden, das eigentliche Samenkorn bleibt jedoch liegen.

Der Echte Erdrauch blüht von April bis Oktober. Der Name kommt von der Tatsache, dass Bestände dieser Pflanze an Rauchschwaden erinnern.

Die ursprüngliche Heimat der Wilden Tulpe ist der westliche und mittlere Orient, vor allem Persien und die Türkei. Der Name geht auf das türkische Wort „tülbent“ zurück, das eine nach oben spitz zulaufenden, turbanähnliche Kopfbedeckung beschreibt. Wilde_Tulpe

Der Feldsalat ist eine einjährige krautige Pflanze, die sehr aromatisch schmeckt und im zeitigen Frühjahr gedeiht.

Wilder_Ackersalat_Feldsalat

Der von Juli bis August blühende Weinberglauch kam vermutlich als blinder Passagier zusammen mit Weinstöcken aus Südeuropa zu uns nach Mitteleuropa. Es gibt verschiedenen Arten.

Weinberglauch

Der von Juli bis Oktober blühende Wilde Dost (Wilder Majoran) findet als Oregano oft den Weg auf so manche Pizza oder andere Gerichte. Aber auch der angenehm aromatische Geruch verbreitet eine mediterrane Stimmung. Wichtige Bienen- und Schmetterlingsweide.

Wilder_Dost

Der von Juni bis September blühende Feld-Thymian enthält viel ätherische Öle. Als Gewürz wird er vor allem zu Lamm, Wild und Saucen verwendet.

Feldthymian

QR-Rundgang Bottwartal Übersicht

Das Bottwartal ist wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere.
Bitte schützen Sie die Natur aktiv, indemfolgende Regeln eingehalten werden:

hinweis-tafel

Sicherheitshinweis: Die Begehung erfolgt auf eigene Gefahr.
Die markierten Wege sind barrierefrei.